Katzenflöhe - Stubenkatzen- Wohnungskatzen

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Katzenflöhe


Flohmittel für Katzen sind alles andere als harmlos: Manche Präparate gehen nicht nur den Flöhen, sondern auch der Katze an den Kragen.
Als Jasmin Näpfers Kater Flöhe hatte, kaufte sie in der Tierhandlung das Flohmittel Neo Kill und besprayte ihren Liebling damit. Kurze Zeit später sah das arme Tier jämmerlich aus: Die Haut schuppte sehr stark und das Fell wurde ölig und glanzlos. Die besorgte Tierhalterin wusch ihren Kater und erschrak, als sich dabei Teile des Fells lösten.

Ein Anruf beim Tierarzt brachte Klärung. Neo Kill enthält den Wirkstoff Permethrin, der für Katzen sehr giftig ist. Das synthetische Nervengift (siehe Kasten) steckt in vielen Mitteln, die gegen Flöhe, Zecken und andere Parasiten eingesetzt werden.


Vergiftungsfälle: Vermutlich extrem hohe Dunkelziffer

Der Kater hatte Glück im Unglück: Denn gefährlich kann es werden, wenn Katzen den Wirkstoff einnehmen, etwa indem sie ihr Fell ablecken. Erbrechen, Zittern, Krämpfe und Atemstillstand sind die typischen Symptome einer Vergiftung mit Permethrin.

«Immer wieder müssen in Tierarztpraxen Katzen behandelt werden, deren Besitzer Permethrin in Dosierungen einsetzen, die zu massiven Schäden bis hin zum Tod der Tiere führen», sagt Olivier Flechtner von der Gesellschaft Schweizer Tierärzte. Auch in der Klinik für Kleintiermedizin der Uni Zürich sind in den letzten Monaten mehrere Tiere mit Permethrin-Vergiftungen behandelt worden. Wie viele Katzen Opfer einer Vergiftung wurden, lässt sich nicht genau beziffern, weil die Besitzer oft gar nicht zum Tierarzt gehen. Flechtner schätzt die Dunkelziffer sehr hoch ein.


Toxikologen weisen schon länger auf die Gefahr hin

Die Gefahr lauert rezeptfrei in den Regalen von Grossverteilern, Tierhandlungen, Apotheken und Drogerien. Viele ahnungslose Tierhalter decken sich mit Sprays und Pulvern ein, um den Parasiten ihrer Vierbeiner zu Leibe zu rücken. «Permethrinhaltige Arzneimittel sind insbesondere für Katzen sehr gefährlich und dürften nicht frei verkauft werden», fordert Hanspeter Nägeli, Leiter der Abteilung Toxikologie an der veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Zürich. Wie sein Kollege Olivier Flechtner hat er letzten Herbst das für die Zulassung von Tierarzneimitteln zuständige Heilmittelinstitut Swissmedic auf die unerwünschten Wirkungen bei Katzen aufmerksam gemacht.

«Wir haben das Problem erkannt und sind dabei, das Risiko zu evaluieren», sagt Roland Zwahlen, Leiter der Abteilung Tierarzneimittel bei Swissmedic. Weitere Auskünfte will er erst in ein bis zwei Monaten geben, wenn das Verfahren abgeschlossen sei.


Migros nimmt ihr Flohmittel aus dem Sortiment

Immerhin warten einige Verkäufer und Hersteller nicht so lange zu. So hat sich Mig-ros entschieden, das Produkt Selina Antiparasite Active Mousse aus dem Sortiment zu nehmen. Allerdings will der Grossverteiler die Restbestände noch ausverkaufen. Und die Firma Enpro Bio Kill AG, Herstellerin des Präparats Neo Kill, forscht an einem neuen, für Katzen verträglicheren Wirkstoff. «Obwohl wir in den letzten Jahren nie Reklamationen hatten, instruieren wir die Verkaufsstellen, Neo Kill nicht mehr für die Anwendung direkt auf Katzen zu empfehlen», verspricht Geschäftsführer Nikolaus Tichatschek.

Jasmin Näpfers Kater hat sich inzwischen gut erholt, und dank eines Präparates vom Tierarzt ist er auch seine Flöhe los. Die Tierhalterin: «In Zukunft kaufe ich die Medikamente nur noch beim Tierarzt, selbst so etwas Banales wie ein Flohmittel.»



Vorsicht bei der Bekämpfung

- Permethrin gehört zur Gruppe der Phyrethroide. Diese synthetischen Nervengifte sind verwandt mit dem natürlichen, aus Chrysanthemenblüten gewonnenen Insektengift Pyrethrum. Die meisten Säugetiere, wie etwa Hunde, vertragen den Stoff relativ gut - Katzen aber nicht, weil sie Pyrethroide nur sehr langsam abbauen können.

- Vorsicht: Nicht auf eigene Faust mit ätherischen Ölen und natürlichen Mitteln experimentieren, denn auch diese Stoffe können den Tieren schaden. Teebaumöl etwa ist für Katzen giftig.

- Bei starkem Flohbefall empfiehlt sich der Gang zum Tierarzt. Dieser wählt je nach Situation (Stärke des Flohbefalls, Anzahl betroffener Katzen, Freilaufmöglichkeit) eine andere Behandlung.

- Flohhalsbänder sind meist unproblematisch; bei Hautreaktionen sofort abnehmen und den Tierarzt aufsuchen.





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