Katze geht weg - Stubenkatzen- Wohnungskatzen

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Wenn Katzen weg gehen
Manchmal kommt es vor, dass Freilaufkatzen immer seltener nach Hause kommen und schliesslich ganz ausbleiben. Wer an seiner Katze hängt, muss dieser Entwicklung nicht untätig zusehen. Zumindest kann man versuchen, den Ursachen nachzugehen und die Situation zu verändern, sodass man seine Katze nicht verliert. Text: Claudia Kasper, dipl. Tierpsychologin ATN

Wenn Katzen dabei sind, sich ein neues Zuhause zu suchen, das ihnen offenbar besser entspricht, geschieht dies nicht von einem Tag auf den anderen, sondern zeichnet sich über Wochen und Monate ab. Als Erstes stellt sich also die Frage, wann die Bindung ans Heim und an den Menschen sich verschlechterte. Hat sich z. B. etwas im Zuhause verändert, womit sich die Katze schwertut? Die sensiblen Tiere reagieren oft empfindlich auf neue Lebenssituationen und versuchen naturgemäss, sich Dingen zu entziehen, die ihnen nicht passen. Dazu gehören: ein neuer Partner des Menschen, der Katzen nicht mag oder durch den sich das Tier zurückgesetzt fühlt; ein Baby, das durch sein Schreien und die geforderte Aufmerksamkeit die lärmempfindliche Katze vergrault und ihre Eifersucht weckt; ein plötzlich zum Haushalt gehörender Hund (wenn die Katze als Jungtier in der Prägephase nicht auf Hunde sozialisiert wurde und deshalb Angst vor ihm hat) oder eine neu dazukommende Katze, mit der sie sich nicht versteht. Das sind sehr oft klare Auslöser, die das Abwandern für eine Katze zum Thema machen.

Das eigene Zuhause ist nicht reizvoll genug
Schwieriger wird es, wenn das eigene Daheim dem Tier nicht (mehr) gefällt, weil die Bindung zum Menschen nicht stark genug ist. Oft handelt es sich dabei um Katzen, die in der Prägephase zu wenig Kontakt mit Menschen hatten oder mit ihnen früh schlechte Erfahrungen machten. Solche Tiere sind deshalb häufig auch nach Jahren nicht anhänglich, lassen sich ungern streicheln, suchen kaum Kontakt und kommen vor allem wegen des Futters nach Hause. Manchmal investiert aber auch der Mensch selbst nicht genug in die Beziehung zu seiner Freilaufkatze, weil er der Meinung ist, dass sie sich ja selbst beschäftigen könne. Wenn jemand Vollzeit arbeitet oder sich selten mit der Katze abgibt, gibt es aus Katzensicht keinen triftigen Grund, an diesem Zuhause zu hängen. Deshalb ist es ein Fehler zu denken, dass man sich einer Freilaufkatze nicht widmen müsse. Auch mit ihr sollte man regelmässig spielen und ihr Abwechslung bieten. Bedingung ist auch, dass eine Katzentür den ständigen Zugang zum Heim gewährleistet. Wenn eine Katze sich draussen bedroht fühlt, flüchtet sie stets auf schnellstem Weg nach Hause. Steht sie dann vor verschlossener Tür, ist dieses Zuhause kein sicherer Hafen mehr für sie. Ausserdem sollten Vollzeitberufstätige ihrem Büsi nachts auch den Zugang zum Schlafzimmer gestatten. Sonst hat die Katze zu wenig Gelegenheit, den Kontakt mit einem zu pflegen.
Auch Freilaufkatzen sollte man also ein attraktives Zuhause bieten. Das bedeutet, eine aus Katzensicht reizvolle Umgebung zu schaffen. Eine sterile Wohnungseinrichtung ist für alle Katzen total langweilig. Interessant ist für sie, wenn Schlupfwinkel und gute, oben geschlossene Verstecke mit seitlichem Eingang zur Verfügung stehen, wenn möglichst viel Unordnung herrscht, wenn sie gute Ausguckplätze haben, wenn man ihnen auch daheim immer wieder neue Gerüche zum Erkunden anbietet (z. B. eine Schachtel mit frischem Heu, einen Schrank, den sie gelegentlich inspizieren dürfen, einen Einkaufskorb, der nicht gleich weggeräumt wird etc.) und eben: Wenn man sich mit ihnen beschäftigt, immer wieder mal ein neues Spielzeug mitbringt, das gemeinsames Spielen ermöglicht und das man nicht herumliegen lässt, damit es interessant bleibt.

Andere Katzen machen das Revier streitig
Weil die Katzendichte in Wohnquartieren hoch sein kann, kommt es auch immer wieder zu Problemen mit Artgenossen. Damit musste ich mich selber intensiv auseinandersetzen, als Nachbarn sich zwei junge Kater anschafften, die meiner älteren Dame das Leben zur Hölle machten. Sie nisteten sich – anfänglich von mir unbemerkt – in meinem Garten ein, jagten meine Katze und liessen sie schliesslich nicht mehr zur Katzentür hinein. Auch ihre Beute konnte sie nicht mehr nach Hause bringen – ein schlechtes Zeichen. Ihr Heim war eindeutig kein sicherer Ort mehr für sie. Die Folge war, dass sich meine Katze daheim kaum mehr blicken liess und erst in den frühen Morgenstunden vom Freilauf zurückkehrte. Offensichtlich war sie dabei, sich eine neue Bleibe zu suchen. Ich hatte die Katze als Notfall vor neun Jahren übernommen. Sie war nicht mit anderen Jungtieren aufgewachsen und deshalb schlecht auf andere Katzen sozialisiert. Ausserdem war sie misshandelt worden und hatte eine entsprechend schlechte Bindung zum Menschen. Als extremer Freigeist liebte sie es, draussen herumzustreifen und zu jagen. Futter war für sie stets der Hauptgrund, nach Hause zu kommen. Nun konnte sie das nicht mehr ungehindert, und sie hatte in der Nachbarschaft eindeutig jemanden gefunden, der sie ins Haus liess und fütterte, da sie ihr Futter bei mir stehenliess.
Was war zu tun? Als Erstes ging es darum, das eigene Territorium sicherer zu machen. Eine neue Katzentür wurde eingebaut, die nur meiner Katze den Zugang ins Haus gestattete. Bevor ich sie morgens hinausliess, machte ich jeweils einen kleinen Patrouillengang im Garten, um sicherzustellen, dass keiner ihrer Feinde in der Nähe war. Alle fremden Katzen wurden konsequent mit Wasser oder Lärm aus dem eigenen Territorium verscheucht. Zur Unterstützung des Gemüts bekam meine Katze Bachblüten. An ihrem Halsband befestigte ich ausserdem einen Zettel mit der Bitte, meine Katze nicht ins Haus zu lassen oder zu füttern. Als Nächstes wäre auf dem Programm gestanden, die Nachbarn aufzusuchen, die sie fütterten, ihnen das Problem ruhig und sachlich zu schildern und um ihre Kooperation zu bitten. (Da meine Katze mit einem Peilsenderhalsband ausgerüstet ist, war es einfach herauszufinden, bei wem sie Unterschlupf gefunden hatte. Ansonsten kann man auch Flyer in den Briefkästen des Quartiers verteilen.)
Dazu kam es allerdings nicht mehr, denn unverhofft wurde ich plötzlich zur Hundebesitzerin. Da ich wusste, dass meine Katze mit einem Hund aufgewachsen war, wagte ich diesen Schritt – einen Artgenossen würde ich ihr hingegen bei ihrer Veranlagung nicht zumuten. Meine Katze bekam Hausarrest, bis sie sich mit dem neuen Wohngenossen angefreundet hatte sowie einen sicheren Bereich im Haus, zu dem der Hund keinen Zutritt hatte. Die Katzentür wurde mit einem Kratzbaum blockiert, damit die Lage unmissverständlich klar war. Ausserdem spielte ich intensiv mit ihr, um die Bindung zu stärken. Nach zwei Monaten durfte sie wieder hinaus, und seitdem ist das Problem gelöst, da der Hund das Revier für sie sichert. Sie kommt nun ganz normal nach Hause und ist auch mir gegenüber wieder zugänglicher.
Wenn sich allerdings die Beziehung zum Menschen sowie zum eigenen Heim nicht durch den Hausarrest wieder einrenkt und sich die fütternden Nachbarn nicht einsichtig zeigen, gibt es kaum noch Möglichkeiten, die Katze am Abwandern zu hindern. Vielleicht ergibt es dann zugunsten des Tieres Sinn, die Übernahme der Katze – mit allen Pflichten – mit den Nachbarn zu diskutieren, welche sie angefüttert haben. Auch eine Umplatzierung im Freundeskreis wäre dann zu erwägen. Als letzte Massnahme müsste man ansonsten den eigenen Garten katzensicher einzäunen, was den gewohnten, langjährigen Freilauf jedoch sehr stark beschneiden würde und auch nicht ganz billig ist.

Grundsätzliche Massnahmen
Wann immer es sich abzeichnet, dass eine Katze dabei ist, sich ein anderes Zuhause zu suchen, gibt es Möglichkeiten, dies zu verhindern. Persönliches Engagement, Verständnis und Geduld sind dafür die wesentlichsten Voraussetzungen. Als wichtigste Massnahme entzieht man der Katze konsequent den Freilauf. Das mag hart klingen und Skrupel hervorrufen, aber selbst wenn die Katze mit Depression, lautstarkem Protest oder sogar Unsauberkeit darauf reagiert, empfiehlt sich dieser Schritt unbedingt. Denn nur so kann sich das Tier weder einer unbequemen neuen Situation noch dem eigenen Einfluss entziehen. (Meine Katze wollte der Vorbesitzer übrigens wegen Unsauberkeit einschläfern, weshalb ich sie übernahm. Sie hatte in all den Jahren schon dreimal Hausarrest für mehrere Monate und quittierte dies nur ein einziges Mal damit, dass sie mir aus Protest Kot auf dem Bett hinterliess.)
Ein Hausarrest fordert liebevolle Konsequenz und Verständnis vonseiten des Halters. Mit einer individuellen Bachblütenmischung unterstützt man die einschneidende Veränderung für die Katze. Falls die Wohnung nicht besonders katzengerecht eingerichtet ist, sollte man dies nun ändern. Damit ist nicht gemeint, dass man einfach ein paar nette Ruheplätze einrichtet. Wichtig sind vor allem wechselnde Erkundungsmöglichkeiten für das «Nasentier Katze», Beschäftigungsmöglichkeiten wie Fummelbretter, zusammengeknülltes Seidenpapier, Flickenteppiche, wechselnde Kartonschachteln, spannende Ausguckplätze, etc. Ausserdem sollte man sich wirklich täglich Zeit für das Spielen mit der Katze nehmen und sich nicht entmutigen lassen, wenn sie nicht gleich darauf eingeht. Erst wenn die Beziehung zum Menschen wieder gestärkt ist und die Katze sich mit der neuen Situation angefreundet hat, die allenfalls der Auslöser für ihr Abtrünnigwerden war, sollte sie wieder in den Freilauf entlassen werden. Dann stehen die Chancen sehr gut, dass das eigene Zuhause wieder seinen Stellenwert einnehmen kann.

Fazit
- Ungeliebte Veränderungen im eigenen Heim sind die häufigsten Ursachen dafür,
  dass Katzen sich eine neue Bleibe suchen.
- Ein aus Katzensicht reizvoll eingerichtetes Zuhause und eine gute
  Beziehung zum Menschen
  machen ein Abwandern unwahrscheinlich.
- Auch Revierprobleme mit Nachbarskatzen können dazu führen,
  dass das Zuhause nicht  mehr sicher ist und der Katze nichts
  anderes übrigbleibt als abzuwandern.
- Wenn man sein Tier nicht verlieren möchte, sind persönliches
  Engagement und Wille zur Veränderung gefragt.
- Vorübergehend konsequenter Hausarrest sind keine Massnahmen
  welche zu einem Erfolg führen, damit sich die  Katze wohlfühlt und bleiben wird!


Katzen sind sehr feinfühlige Wesen und lieben unsere hektische Zeit nicht!
Was Katzen nicht mögen: Zum Beispiel

- Geschrei
- Kleinkinder, die noch unverständig sind
- Rauchen in der Wohnung
- Dauernd Besuche
- Unruhe im Haus und Wohnung
- Lärm
- Aggressive, laute Musik
- Streit
- Hundegebell
- Laute Maschinen
- Änderungen, Möbel verstellen
- Feuerwerk, Nationalfeiertage und Silvester!
- Parfüm

Nicht jeder Mensch möchte seine Gewohnheiten wegen einer Katze einschränken, oder gar darauf verzichten.
FAZIT: Dann soll er lieber keine Katze anschaffen!


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