Artgerecht - Stubenkatzen- Wohnungskatzen

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Artgerecht


Die artgerechte Katzenhaltung ohne Freilauf

Katzen werden immer häufiger nur in der Wohnung gehalten und der Zugang nach draussen ist auf den Balkon beschränkt. Um ihren artspezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden, muss daher ein Minimum an Bedingungen erfüllt sein. Was für Katzentypen und wie viele Katzen ohne Freilauf sollten nicht einzeln gehalten werden, am besten nimmt man zwei Wurfgeschwister des gleichen Geschlechts (Katzen leben in der Natur nie paarweise zusammen, ausserdem haben Kater ein anderes Spielverhalten als Weibchen, was diese nichtunbedingt toll finden), jedoch sind Rassekatzen besser für das Leben ohne Freigang geeignet. Unsere Europäischen Kurz- und Langhaarkatzen sind genetisch Freigänger und die Haltung ohne Auslauf ist oft nicht möglich. Katzen mit
ruhigem Temperament, die sich gern herumtragen und lange streicheln lassen, sind für die Wohnungshaltung besser geeignet als scheue oder sogar ängstliche Katzen, die mit Aggressionen oder Verkriechen auf Menschen oder ungewohnte Situationen reagieren. Katzen, die ihr Leben zusammen ohne Freilauf verbringen, sollten die besten Freunde sein und sich nicht nur tolerieren!



Katzentoiletten

Katzen setzen im Freien Kot und Urin an verschiedenen Orten ab, daher ist es für die artgerechte Haltung einer Katze wichtig, dass eine ausreichende Anzahl von Kistchen zur Verfügung steht. Jede Katze ohne Auslauf via atzenklappe muss daher mehr als
ein Kistchen zur Verfügung haben, also eine Katze mindestens zwei Kistchen. In Mehrkatzenhaushalten soll die Anzahl Kistchen "Anzahl Katzen + 1" betragen (d.h. 2 Katzen 3 Kistchen). Zwei Kistchen nebeneinander gelten als eine. Kistchen müssen gut
platziert sein: keine Sackgassen (Ausstieg auf mehr als eine Seite), guter Überblick, nicht zu abgelegen etc., und dürfen nicht neben Futter- oder Schlafplatz sein. Bei mehreren Etagen sollte auf jeder Etage mindestens eine Kiste sein. Je unsicherer die
Katze, umso wichtiger die Platzierung. Die Kistchen sollten gross, stabil und nicht gedeckt sein und mehrmals täglich gesäubert werden. Die Streutiefe sollte der Länge Ihres Mittelfingers entsprechen, feine Einstreu wird bevorzugt. Bleiben Sie bei der gleichen Einstreumarke. Zu wenige, falsche, falsch-platzierte oder schmutzige Toiletten können einerseits zu Unsauberkeit, andererseits aber auch zu Blasenerkrankungen führen, die beim Kater lebensbedrohlich werden können (Harnröhrenverschluss).  



Ernährung

Eine Katze ernährt sich draussen von Mäusen, Vögeln und anderen kleinen Tieren wie Eidechsen oder Insekten. So fressen sie viele kleinere Mahlzeiten nach kurzen intensiven Jagden über den ganzen Tag verteilt. Viele Wohnungskatzen erhalten zwei Mahlzeiten im Napf serviert oder jedes Mal wieder einen Happen, wenn sie sich bemerkbar machen (wobei sie ja vielleicht lieber spielen oder schmusen würden). So werden die Wohnungskatzen immer dicker und träger und anstatt mehr Aktivität bei häufigeren kleinen Mahlzeiten wird die Ration noch gekürzt. Um dieser unglücklichen Situation vorzubeugen, sollte die Nahrungsaufnahme über 24 h ermöglicht werden und dieses Futter sollte nicht frei zugänglich sein, sondern „erarbeitet“ werden müssen.

Ein Futterturm oder Pipolino erlaubt es der Katze über 24 h immer wieder etwas zu Fressen und da sie nur durch eine Aktivität zum Ziel kommt, wird gleichzeitig der Jagdtrieb befriedigt. So werden ihre Katzen mit grossem Vergnügen und viel Konzentration über den ganzen Tag verteilt immer wieder Trockenfutter erjagen, und dabei schlanker, aktiver und gesünder sein. Durch Einstellen der Anzahl und Grösse der Löcher beim Pipolino kann die „Jagd“ erschwert oder erleichtert werden und verschiedenen Bedürfnissen oder Futtergrössen angepasst werden. Ein Pipolino oder Futterturm verbindet Aktivität mit Nahrungsaufnahme und simuliert so eine erfolgreiche Jagd. Dies verhindert Langeweile, Übergewicht, Inaktivität, Depression, aggressive Verhaltensweisen und ist auch die beste Beschäftigung für sehr aktive Katzen. Wenn ihre Katze zu Blasenentzündungen/Harnabsatzstörungen neigt, ist die Ernährung aus dem Pipolino mit den häufigenmkleinen Mahlzeiten geeignet zur Vorbeugung von Rückfällen.




Wohnungskatzen müssen sich bewegen!

In der Natur verbringt eine Katze täglich 6-8 Stunden mit Jagen, führt 100-150 Beutesprünge aus, wovon nur etwa 10% erfolgreich sind. Die Katze ist somit eine Spezialistin für kurze, intensive Aktivitäten. Zweimal täglich Futter hinstellen und regelmässig die Kistchen reinigen, befriedigt die Ansprüche ihrer Katzen nicht. Es ist nötig, ihrem grossen Bedürfnis nach Jagdverhalten mit interaktiven Spielen und vielen Variationen Rechnung zu tragen. Sie müssen ihre Katzen aktiv zum Spielen auffordern und die verschiedensten Jagdspiele veranstalten. Abwechslung ist wichtig und neue Spielzeuge können mit einfachsten Mitteln hergestellt werden. Auch Pingpongbälle oder Laserpointer (nie direkt auf die Augen richten!) sind beliebt für wilde Jagdspiele. Man kann einer Katze auch beibringen, Spielsachen zu apportieren oder ihr Leckerbissen zum Beispiel in einer Wühlkiste verstecken, die sie dann selbständig suchen kann.



Raumbedürfnis

Je kleiner ihre Wohnung desto mehr Aktivitäten und Abwechslung sollten Sie ihren Katzen bieten. Je mehr Unordnung sie haben, desto wohler werden sich ihre Katzen fühlen. Ermöglichen Sie ihren Katzen die Nutzung der 3. Dimension: Schränke, Katzenbaum, Wohnwand, alles sollte zugänglich und mit Schlafplätzen auf der obersten Etage ausgerüstet sein. Sitzplätze an Fenstern mit interessanter Aussicht sollten auch dazugehören. Der Zugang muss nicht einfach sein, etwas Klettern und Springen sollte dazugehören. Zugang via Katzenklappe zu einem interessant gestalteten Balkon wäre natürlich auch sehr empfehlenswert. Katzen ziehen eine kleine, interessante Wohnung einer grossen „sterilen“ Wohnung vor!

Markieren mit Pheromonen und Krallen

Die Katze ist ein territoriales Tier und hat das Bedürfnis, ihre Umwelt geruchlich und visuell zu markieren. Mit den Duftdrüsen an der Pfotenunterseite, am Kopf und an der Schwanzbasis wird die Umgebung geruchlich und mit den Krallen visuell gestaltet.
Dieses Verhalten ist notwendig für das Wohlbefinden der Katze, die gewählten Stellen für vor allem die visuelle Gestaltung decken sich aber nicht unbedingt mit ihren Vorstellungen als Mitbewohner. Um ihrer Katze die „richtige“ Wahl zu erleichtern und die Zerstörung von Möbeln und Vorhängen zu verhindern, sollten Sie attraktive Orte/Gegenstände zum Markieren zur Verfügung stellen. Z.B. ein Kratzbaum mit mehreren Etagen, die genug Abstand haben (min. 1 m!), damit die Katze normal springen kann. Vielleicht haben Sie auch einen alten Lederhocker oder etwas Ähnliches, den Sie für diesen Zweck „opfern“ könnten.

Harnmarkierung

Das Markieren mit Urin ist ein völlig normales Verhalten. Die Katze steht aufrecht, zittert mit dem Schwanz und sprayt eine kleinere Menge Urin an eine vertikale Fläche oder ein Objekt. Dies ist natürlich nicht tolerierbar in ihrer Wohnung. Stellen Sie häufig neue Objekte wie Äste, Holzstücke, Tannenzapfen, Kartonschachteln usw. zum Inspizieren und Spielen zur Verfügung, damit die Katzen sich an fremde Gerüche und neue Situationen gewöhnen und nicht aus Angst oder Furcht harnmarkieren. Falls Harnmarkieren vorkommt, reinigen Sie die Stelle nicht mit einem stark riechenden Putzmittel, da dies erneutes Markieren auslösen kann! Nehmen Sie sofort Kontakt mit ihrer Tierärztin oder ihrem Tierarzt auf, das Verhalten ist Ausdruck einer Erkrankung oder Angststörung.

Unsauberkeit (Urin/Kot)

Wenn ihre Katze plötzlich an anderen Orten als in die Katzenklos uriniert oder Kot absetzt, sollten Sie ebenfalls sofort Kontakt mit ihrer Tierärztin oder ihrem Tierarzt aufnehmen, das Verhalten ist Ausdruck einer Erkrankung oder Angststörung. Je länger
das Verhalten gezeigt wird, desto schwieriger ist die Behandlung.

Infrastruktur

Wohnungskatzen sollten einen erhöhten Liegeplatz mit Aussicht nach draussen zur Verfügung haben. Balkone und Terrassen sollten mit Netzen gesichert werden, damit die Katzen nicht abstürzen können. Die Aussenwelt beobachten ist eine wichtige
Abwechslung für die Katzen und diese visuelle Stimulation trägt zum Wohlbefinden bei. Katzen brauchen aber auch Rückzugsplätze, wo sie weder von Menschen noch Katzen gestört werden und sich jederzeit sicher fühlen. Dies beugt chronischem Stress vor. Stören Sie sie auch nicht, wenn sie schläft und nehmen Sie nur Kontakt auf, wenn sie wach ist.

Dies sind die wichtigsten Punkte, die beachtet werden müssen, wenn Sie ihre Katzen nur in der Wohnung halten wollen. Denken Sie daran, dass diese Haltung sehr viel aufwändiger und zeitintensiver ist, um die natürlichen Verhaltensweisen, die eine Katze im Freien zeigt, in der Wohnung zu kompensieren. Ihre liebenswerten Stubentiger werden es ihnen danken!


www.stvv.ch (M. Furler) – 2015
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               

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